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Ein Büffel für die Feuerwehr

Ein neues „altes“ Fahrzeug aus der Kategorie „Ungetüm“ dürfen wir seit kurzem unser Eigentum nennen: Nach monatelanger Umbauphase fährt nun seit Herbst ein MAN HX60 in den Farben der Feuerwehr Burgau – Spitzname „Büffel“.

Die Ursprünge der durchaus untypischen Beschaffung finden sich in der Hochwasser-Katastrophe vom Sommer 2024. In den überfluteten Straßenzügen war ein Einfahren mit „normalen“ Feuerwehrfahrzeugen nicht mehr ohne Weiteres und gefahrlos möglich. Unser einziges Fahrzeug mit einer hohen Wattiefe (= max. Wassertiefe die ohne Schäden an Motor u.a. durchfahren werden kann) war bisher nur der Unimog (Baujahr 1985), auf dem aber zahlreiche Ausrüstungsgegenstände für die Ölwehr verladen sind. Die Kofferaufbau ist vollgestopft mit Gerätschaften und neben dem Fahrer findet nur eine weitere Person ausreichend Platz in der Kabine.

Was aber tun, wenn wie 2024 Personen aus überfluteten Gebieten evakuiert werden müssen? Oder wenn es zu Bränden in überschwemmten Straßenzügen kommt? Hier hatten wir im Sommer vor zwei Jahren unsere liebe Not, mit Einsatzkräften und Technik überhaupt in die Nähe der Einsatzstellen zu kommen. Aber ein Neufahrzeug zu beschaffen – viel zu teuer und nicht im Verhältnis zum voraussichtlichen Einsatzwert. So streiften wir (wieder einmal) durch die Kleinanzeigen und entdeckten ein echtes Prachtstück:

Ein Militärfahrzeug der britischen Armee, 2008 gebaut in München, auf der Insel aber kaum gefahren (1.800 KM) und äußerst pfleglich behandelt. Ein 6-Zylinder-Turbodiesel mit 326 PS, Automatik-Getriebe, wenig elektronischer Schnick-Schnack und eine Wattiefe von 1,20m – wie gemacht für den Hochwassereinsatz, das Steuer war durch den Händler bereits wieder auf die „richtigen Seite“ verbaut worden. Also rein ins Auto und mit vorbereitetem Kaufvertrag und roten Nummernschildern 300 Kilometer bis nach Frankfurt/Main.

Olivgrün konnte er natürlich nicht bleiben, weshalb nach langem Suchen schließlich die Fa. Schmitz aus Sachsen-Anhalt den Auftrag erhielt, die Karosserie neu zu lackieren, die Plane neu aufzubauen und das Fahrzeug feuerwehrtechnisch umzurüsten (Funk, Blaulicht, Martinshörner etc.). Dabei taten sich ganz neue Probleme auf, denn aufgrund der speziellen militärischen Lackierung und Beschichtung war es mit „einfach drüber lackieren“ nicht getan – die Bauteile mussten zunächst alle flächig geschliffen werden, bevor aus olivgrün feuerwehrrot werden konnte. So konnte auch der zunächst fix zugesagte Liefertermin zu unserem Tag der offenen Tore im Mai nicht eingehalten werden. Zur Anlieferung und Abholung wurden nochmals jeweils 900 km quer durch die Bundesrepublik zurückgelegt. Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle bleiben, dass die Umbaukosten von ca. 30.000€ durch großzügige Spenden unserer Burgauer Firmen gestemmt werden konnten. Vergelt’s Gott!

Nun aber steht er einsatzbereit in Tor 15 – und wartet nicht unbedingt auf das nächste Hochwasser, sondern auch auf die nächsten Einsätze auf der Autobahn. Wir hoffen natürlich, dass er uns im Ernstfall gute Dienste bei der nächsten Überflutung leistet, aber auf ein Hochwasser wie 2024 verzichten wir die nächsten Jahre herzlich gerne. Da ein Büffel aber ungern nur im Stall steht und so ein Fahrzeug zum Rumstehen definitiv zu schade ist, wird er mittelfristig auch als Zugfahrzeug für den Verkehrssicherungsanhänger 1 eingesetzt werden und damit öfter mal auf der A8 unterwegs sein.

Nach Abschluss aller notwendigen Einweisungsfahrten wird er demnächst in den regulären Einsatzdienst gehen. Auch wenn sein eigentlicher Einsatzzweck einen sehr ernsten Hintergrund hat, so freuen wir uns dennoch über einen Neuzugang, der seinesgleichen sucht und als Neuanschaffung so nie realisiert worden wäre. Und falls Sie sich wundern: so ein bulliges Fahrzeug braucht natürlich einen passenden Spitznamen – und welches kräftige Tier steht auch gerne mal bis zu den Knien im Wasser? Ein (Wasser-)Büffel eben!