Chronik der freiwilligen Feuerwehr Burgau

"Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr"

So lautet der Wahlspruch der Freiwilligen Feuerwehren in Bayern.
Die erste freiwillige Feuerwehr in Bayern wurde im Jahre 1849 in der Stadt Augsburg ins Leben gerufen. Auch in unserem Heimatstädtchen Burgau, wurde bereits im Jahre 1862 über die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr nachgedacht. Im gleichen Jahr noch wurde Burgau von einem Großbrand heimgesucht. Die damalige Karpfenwirtschaft (heutige Sparkasse) sowie Angrenzeranwesen Silberarbeiter Miller (heute Bekleidungshaus Eggstein) brannten bis auf die Grundmauern nieder. Ein Volksschullehrer namens "Wohlgefallen" hatte damals junge Männer, die so genannten Turner, welche nach dem Rufe Turnvater Jahns Leibesübungen pflegten, um sich versammelt. Mit dieser Gruppe konnte eine einigermaßen geschlossene Rettungs- und Löschhilfe gewährleistet werden.


Brand der Karpfenwirtschaft am 02.12.1862, der zur Gründung der Burgauer Feuerwehr führte.

Ein junger Burgauer Kaufmann Herr Theodor Zecher informierte sich bei führenden Männern Herrn Lettenbauer aus Augsburg sowie Herrn Mossauer aus Günzburg über die Vorbereitungen zur Gründung einer Feuerwehr. So gelang es am 02. November 1863 mit 22 Bürgern die Freiwillige Feuerwehr Burgau zu gründen. Bei einer darauf folgenden Versammlung am 28. November 1863 erhöhte sich die Mitgliederzahl auf insgesamt 130 Helfer. Aus deren Mitte bildete sich der vorläufige Verwaltungsrat. Wir lesen unter diesen Gründungs- und Verwaltungsratmitgliedern Ureingesessene Burgauer Namen.

Karl
Melchior
Theodor
Lukas
Josef Anton
Ludwig
Michael
Andreas
Xaver
Ludwig
Michael
Hilarius
Ludwig
Johann
Georg M.
Ludwig
Konstantin
Albert
Michael
Adam
Michael
Eggstein
Klein
Zacher
Müller
Kastner
Mayerhofer
Waymaier
Scheppach
Müller
Zimmermann
Oppel
Zöschinger
Kastner
Zenetti
Kastner
Leonhardt
Schied
Aufinger
Kastner
Scheppach
Moser
Privatier
Zimmermeister
Kaufmann
Gerbermeister
Getreidehändler
Maurermeister
Schreiner
Gerberänders
Mühlbesitzer
Kupferschmied
Posementier
Strumpfwirker
Bandfabrikant
Kaufmann
Trompeterjörgle
Ökonom
Färbermeister
Maler
Webmeister
Strumpfstricker
Säcklermeister
Vorstand
Kommandant
Adjudant
Zugführer
Zugführer
Zugführer
Zugführer
Rottenführer
Rottenführer
Rottenführer
Rottenführer
Beisitzer
Beisitzer
Zeugmeister
Signalist


Das waren die Gründer der Freiwilligen Feuerwehr Burgau im Jahre 1863.

Die Führungskräfte der neu gegründeten Feuerwehr, besetzt durch Handwerksmeister, stellte an den "hochlöblichen Stadtmagistrat von Burgau" die Bitte, in Vermittlung mit dem Königlichen Bezirksamt Günzburg die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr genehmigen zu wollen. Nun begann die große Aufgabe, die Wehr aufzubauen, doch es fehlte hier überall an Gerätschaft. Durch Gesuch an das Königliche Bezirksamt Günzburg wurde der Wehr die Distriktspritze überlassen. Die Wehr hat sich damit verpflichtet, bei Bränden innerhalb des Landgerichtbezirks Burgau mit der Spritze auszurücken. Auch die neue Burgauer Saugspritze wurde vom Magistrat zur Verfügung gestellt. Des Weiteren wurden nach Bedarf und vorhandenen Mitteln Geräte und Ausrüstung beschafft. Ja sogar die Wehr wurde zur damaligen Zeit (1864) bereits mit Uniformen ausgestattet.

Die Finanzierung wurde teils durch Zuschüsse der Stadtkasse, der Feuerversicherungen, des Landesausschusses, durch zahlreiche Zahlungen bei Hilfeleistungen von Staatsunternehmen und nicht zuletzt durch Mitgliederbeiträge bestritten. Die Uniformröcke wurden zum großen Teil von den Wehrmännern selbst bezahl und bei Austritt, bzw. Wegzug, von der Feuerwehrkasse wieder vergütet.

Im August 1875 hatte die Freiwillige Feuerwehr Burgau einen aktiven Mannschaftsstand von 127 Mann.
An Geräten waren vorhanden: 2 Schiebeleitern, 2 Steigerwagen, 2 Saug-Druckspritzen, 2 große vierrädrige Druckspritzen, 1 kleine Druckspritze, 1 Rettungswagen mit Rettungssack, 3 Schlauchwagen und ca. 2000 Meter Hanfschläuche..

Als Requisitenhaus (Gerätehaus) dienten zuerst die Räume in der Schranne, später der Schlossstadel. Die Feuerwehr war eingeteilt in Steigerzug, Spritzenzug, Retter und Ordnungsmänner.


Leiter und Hydrantenzug im Schlosshof im Jahre 1913

Am Sonntag, den 12. Mai 1876 fand in Burgau die erste Bezirksversammlung der Feuerwehren des Königlichen Bezirksamtes Günzburg statt. Anwesend waren 400 Delegierte, außer den Verbandsfeuerwehren waren vertreten die Feuerwehren aus München, Augsburg, Lauingen, Günzburg, Gundelfingen, Illertissen, Dinkelscherben, Ziemethausen, Zusmarshausen, Wertingen und Glött.

Die Feuerwehr Burgau hatte Besichtigung mit Vorführung einer umfangreichen Angriffsübung vorbereitet. Angetreten waren 220 Mann, einschließlich 80 Mann Pflichtfeuerwehr mit 11 Fahrzeugen. Aufstellung wurde in der Tellerstraße bezogen. Der erste Angriff war auf das Schrannengebäude am Marktplatz, das Wasser wurde aus der Mindel entnommen.

Im damaligen Einsatzbericht kann man lesen: "Fünf Minuten nach dem Alarm ergossen sich Wasserstrahle von hohen Leitern über das Gebäude." Nach zehn Minuten wurde abgeblasen, die Mannschaft machte sich zur Abfahrt fertig; neue Aufstellung in der Kochgasse. Zweiter Angriff auf das Gasthaus "Zum Käppele". Auch hier standen vier Minuten nach dem Angriffssignal drei Strahlrohre unter Druck. Für die Leistungen wurde von den anwesenden Gästen vollste Anerkennung gezollt, zumal das Löschwasser, von der weit abgelegenen Mindel durch zwei Maschinen hergepumpt werden musste.

Bei der darauf folgenden Versammlung wurde die Wahl des Bezirkfeuerwehrvertreters, der Ersatzmannes und fünf weiteren Ausschussmitgliedern vorgenommen. Als Bezirksvertreter fiel die Wahl auf den Feuerkommandanten Herrn Theodor Zacher aus Burgau. Als Stellvertreter wurde Herr J. Mossauer aus Günzburg gewählt. Anschließend ergriff der Vertreter der Königlichen Staatsbehörde, Herr Bezirksassessor Haidl das Wort. Er erläuterte die Feuerlöschordnung und sprach zum Schluss der Freiwilligen Feuerwehr Burgau für die vorgeführten, vortrefflichen Leistungen Lob und Anerkennung aus. Er betonte: "die heutige Bezirksversammlung möge stets in dem Andenken der fremden Gäste bleiben und das Beispiel der Burgauer Wehr ein Ansporn für alle Feuerwehren sein und bleiben; den wackeren Burgauer Kameraden ein herzliches ‚Gut Heil!'"

Zu dieser ersten Wahl des Bezirksfeuerwehrvertreters im Jahre 1876 können wir heute mit Freude bestätigen, dass bis Kriegsende 1945 vier Feuerwehrmänner aus der Freiwilligen Feuerwehr Burgau das Vertrauen als Feuerwehrleiter im Verbande Günzburg-Land genossen haben.

Schon im Jahre 1878 wurde die Löschwasserversorgung dadurch verbessert, als in der hochgelegenen Tellerstraße eine sehr ergiebige Zisterne errichtet und die Zufahrt zum Landgerichtbrunnen gesichert wurde.

Bedrohliche Brände musste die Wehr bewältigen. 1879 brannte die Landwirtschaftlichen Gebäude der unteren Mühle bei gefrorener Mindel., 1892 der Dachstuhl- und Zimmerbrand im Schloss, die Engbauten der Färbe 1909, die beiden Engbauten der Lammbrauerei 1911. Doch immer wieder war es gelungen, das Feuer auf seinen Entstehungsherd zu beschränken, dank guter Geräte und straffer Ausbildung unserer Feuerwehr.

Bis zum Jahrhundertwende war die Wehr bis zum letzen Mann uniformiert. Im Jahre 1900 erhielt die Wehr eine neue Vereinsfahne. 1908 Anschaffung einer neuen Saug-Druckspritze, damit konnten zwei alte Feuerspritzen ausgemustert werden.

Bereits Jahre vorher stellte der langjährige Feuerwehrkommandant Herr Frey im Magistrat Anträge zur Errichtung einer Wasserleitung in Burgau. Bis zum Herbst 1912 konnten schließlich die Freiwillige Feuerwehr Hydranten mit 5 atü Druck bei der Brandbekämpfung einsetzen.

1913: Anlässlich des 50-jährigen Stiftungsfestes erhielt die Wehr als Jubiläumsgeschenk von der Stadt die erste, mechanische, freistehende Magirusleiter mit 10 Meter Steighöhe sowie einen Rauchspritzapparat (Rauchhelm).

1927: Verlegung der Feuerwehrgeräte vom Schlossstadel in die Parterre-Räume des Rathauses.

1928: Ankauf der zweiten mechanischen freistehenden Magirusleiter mit 15 Meter Steighöhe. Im selben Jahr kam diese neue Leiter beim Schlossbrand in Jettingen zum ersten Mal zum Einsatz. Dieser Einsatz zeigte, dass mit der Handpumpe kein Löscherfolg mehr erzielt werden kann; die Verwaltung beschloss, eine Magirus-Motorspritze anzuschaffen.


Übung zum 50-jährigen Jubiläum 1913

1930: Kauf der neuen Magirus-Motorspritze Liliput 2. Diese leistete Ihren Dienst bis zum Jahre 1947.

1943: Übernahme des ersten motorisierten Feuerlöschfahrzeuges mit Anhänger und einer Magirus-Motorspritze mit einer Leistung von 800 Liter Wasser in der Minute. Dieses Fahrzeug leistete bis in die 60er Jahre seinen Dienst. Viele Einsätze konnten mit diesem Fahrzeug erfolgreich durchgeführt werden.

Bereits 1940 wurde in Burgau die HJ-Feuerwehr ins Leben gerufen. Jugendliche wurden in einer eigenen Gruppe zusammengefasst und für Kriegseinsätze ausgebildet.
Im Jahre 1941 wurde ein Gauvergleichskampf der HJ-Feuerwehren durchgeführt. Die Burgauer Truppe dominierte bei diesem Wettbewerb und erhielt den Siegpreis. Für diesen Wettkampfsieg erhielt unsere Wehr einen Anhänger mit Motorspritze im Wert von 2800 DM überreicht.

Am 25. Juni 1942 wurde in unserer Heimatstadt erstmals eine Sirene installiert. Sie diente nicht nur zur Feuerwehralarmierung, sondern vielmehr dem Kriegseinsatz. Heute noch schreckt der Heulton so manchen Bürger und lässt manch schlechte Erinnerung an diese schreckliche Zeit erwachen.

Unsere Feuerwehr im Kriegseinsatz

Die gewaltigen Schäden durch Luftangriffe auf deutsche Städte erforderten entsprechenden Schutz sowie Rettungs- und Feuerlöscheinsätze. Die Hilfsorganisationen mussten motorisiert sein, um rasche Hilfe leisten zu können. Ferner mussten sie mit großen Mengen Schläuchen versehen sein, da bei Luftangriffen stets damit gerechnet werden musste, dass die Löschwasserversorgungen zerstört wurden. Durch Zusammenlegung der Landkreise Dillingen und Günzburg wurde 1943 eine Feuerlöschbereitschaft gebildet. Diese wurde zum Einsatz für Überlandhilfe bei Luftangriffen eingesetzt. Die Truppe war dem Kreisfeuerwehrführer Anton Haisch aus Burgau unterstellt. Die Burgauer Wehr wurde zur Überlandhilfe (16 Einsätze) nach München, Augsburg, Ulm, Donauwörth, Günzburg usw. gerufen. Dabei wurden oft mehrtägige Einsätze geleistet.

Besetzung der "Löschgruppe Burgau":

Lang
Drexel
Demharter
Müller
Fanderl
Weitmann
Langenmayer
Müller
Rössle
Hins
Reserve:
Mader
Tippel
Arnold

Max
Anton
Josef
Anton
Wendelin
Wendelin
Josef
Georg
Hans
Karl

Max
Ludwig
Andreas

geb. 16.11.1889
23.09.1885
08.03.1891
10.11.1910
14.04.1905
09.11.1891
26.02.1909
09.06.1909
04.05.1899
10.09.1908

01.07.1893
04.05.1903
05.08.1895

Zugführer
Maschinist und Fahrer
Haupttruppmann
Haupttruppmann
Haupttruppmann
Haupttruppmann
Haupttruppmann
Haupttruppmann
Haupttruppmann
Gruppenführer

Haupttruppmann
Haupttruppmann
Haupttruppmann

Einige dieser Kameraden, die oftmals ihr Leben bei Kriegseinsätzen für den nächsten aufs Spiel gesetzt hatten, wurden hoch ausgezeichnet. Diesen Männern gilt auch heute noch unser Dank und Anerkennung. Sie sind Vorbild für alle folgenden Generationen.

Der Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Burgau schrieb nach dem Krieg 1945 folgende Zeilen an die im Einsatz gewesenen Kameraden:

Meine Lieben Feuerwehr Kameraden!

Ihr habt mit großem Verständnis und mit noch größerer Nächstenliebe und Pflichttreue Euren Mann gestellt, wenn es galt unschuldigen, hilflosen, durch die Wucht der Luftwaffe geschädigten Mitmenschen zu Hilfe zu eilen. Kein Unwetter, kein ängstlicher Blick von Frau und Kindern, keine Gefahr für Gesundheit oder Leben hat uns abgehalten, den Weg der Pflichterfüllung anzutreten und auszuharren solange es die Not verlangte.

"Hetz'n kimma uns're tapfern' Schwob'n"

Das war der Gruß der Abschnittsführer im Befehlsraum bei wiederholten Einsätzen in unserer Landeshauptstadt München. Ein dankend Wort oder Handdruck von den von Not und Unglück heimgesuchten Menschen, das war unser schönster Lohn.
Kameraden! Solange die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr lebt sei Euch für diese heldenhafte Tat treuer Kameradschaft g e d a n k t !

Nach dem Kriege 1945
Anton Haisch
 
1. Vorstand und Kreisfeuerwehrführer

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